Voila, ein Unternehmer

So leicht lassen Sie sich nicht abschrecken, wenn alles abdreht, ziehen Sie gerade los. Sie prüfen die Herdplatte durch Handauflegen auf ihre Temperatur, oder?

Also, letzte Warnung: Ab hier werden die Texte lang und in jeder Hinsicht politisch und auch sonst inkorrekt. Ab hier nehme ich keine Rücksicht mehr auf Ihre Zeit, wenn Sie beim Stöbern einen ganz wichtigen Termin versäumen, ist das nicht mein Problem.

Hier finden Sie Kunst, Kultur, Geschichten, Glossen, Respektlosigkeiten, Erfahrungen, Freundliches, Lustiges und wirklich Böses. Hierher verschieben wir alles, was wir vergessen haben oder wollen, aber eben nicht ganz. Vom Web zum cobweb. Das ist der Dachboden dieser Webpräsenz oder der Keller, ganz wie Sie wollen. Und Sie stehen schon auf der ersten Treppenstufe.

 

Ein elektrischer Mönch

Meist hat Kultur Vorsilben: wir sprechen von Unternehmenskultur und meinen damit die Summe aller Selbstverständlichkeiten in einem Unternehmen.

Unternehmenskultur ist das, was alle Unternehmensmitglieder verspotten dürfen (der Spott ist meist Teil dieser Kultur). Wehe aber dem Außenstehenden, der es wagte. Es gibt keine einfachere Methode, alle Träger dieser Unternehmenskultur gegen sich aufzubringen, gleich wie kritisch sie sich im internen Beziehungsgeflecht dagegen stellen. Wo dies nicht so ist, befindet sich das Unternehmen bereits im Niedergang, selbst wenn die Zahlen noch etwas anderes suggerieren.

Vielen Unternehmern und Managern ist dieser Zusammenhang suspekt, andere bestreiten ihn sogar. Meist steckt dahinter das Unbehagen über die Unfassbarkeit dessen, was wir Kultur nennen, die Vorstellung, Kultur sei eine amorphe und unbeeinflussbare Größe. Und doch werden Visionen formuliert und daraus Missionen abgeleitet, die am Ende für Außenstehende meist leicht verdichten lassen: Wir wollen besser, schöner, größer sein. Kultur ist also wichtig. Und die Kunst?

Über die Kunst gibt es ein weit verbreitetes Wissen, meist hört man, Kunst käme von Können - und das wird nicht selten als Vorwurf formuliert. Kunst ist - auch das ein schönes Paradox - was ich nicht gekonnt hätte. "Das hätte ich auch gekonnt" ist die ultimative Entkünstlichung durch Kritik, meist fällt dieses Beil einen modernen Maler.

Woher aber kommt Können? Da muss man ein bisschen weiter in die Vergangenheit: Können kommt von kennen, einer Sache teilhaftig werden. Vom griechischen Gnosis, der Erkenntnis, bis zum altenglischen cnow, "ich weiß", Kennen steckt in der Kunst. Die Bedeutungsverengung auf Artifizielles ist relativ neu.

Und so läuft es auf die Erkenntnis hinaus: Man sieht und hört nur, was man weiß.

Unter Kunst und Kultur wollen wir hier verstehen, was wir gern kennen würden: Die Bücher, für die wir keine Zeit haben, die Filme, für die wir zu müde sind, die Musik, die sie in der Oper spielen, während wir noch rasch eine Besprechung zu Ende bringen und das Dinner, dass wir jetzt gerne hätten - statt der in der Pappschachtel gelieferten Pizza.

Douglas Adams hat in seinem Buch "Dirk Gently's Holistic Detective Agency" den elektrischen Mönch vorgestellt, der alles das für uns glaubt, was wir selbst nicht glauben, ähnlich - so heißt es dort - wie der Videorecorder, der ja auch eigens erfunden wurde, um für uns die Filme zu sehen, für die wir keine Zeit haben.

Sie finden hier eine Mischung aus Videorecorder und elektrischem Mönch: In unregelmäßigen Abständen stellen wir Ihnen etwas vor, was im weitest denkbaren Sinne der Kultur zugerechnet werden kann. Ein Buch oder eine Idee, ein Orchester oder ein Veranstaltungshinweis. Sie finden dort Schönes, Ärgerliches, Nachdenkliches, Ausführliches und nur ganz ausnahmsweise einen Link, und wenn, dann nur als Ergänzung zu vollständigen Texten, denn Links sind auch so eine Möglichkeit, sich schnell aus der Erläuterung eigener Ideen zu stehlen.

 

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